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Rückschau auf die DHd 2026: „Not only text, not only data“ – DH made in Münster

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Rückschau auf die DHd 2026: „Not only text, not only data“ – DH made in Münster

Die diesjährige Konferenz des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum stand ganz im Zeichen der Vielfalt an digitalen Methoden, Untersuchungsobjekten und Projekten der DH. Neben der sonst im Fokus stehenden Arbeit mit Daten – vor allem Textdaten – wurden in zwei Keynotes, zahlreichen Workshops, Vorträgen, Postern und Podiumsdiskussionen zum Beispiel auch materielle Kulturgüter in den Blick gerückt: Bilder in der Kunstgeschichte, archäologische Gegenstände oder Objekte der Museumswissenschaft wurden ebenso behandelt wie die damit einhergehenden Methoden, etwa Eye-Tracking-Verfahren oder Analysen von 3D-Modellen. Darüber hinaus ging es gemäß dem Tagungsmotto „Nicht nur Text, nicht nur Daten“ für über 500 Teilnehmer:innen um einen Austausch zu Algorithmen, Interfaces und Code.
Hierfür stellte Wien als Tagungsort vom 23. bis 27. Februar eine beeindruckende Kulisse bereit – nicht nur, weil das historische Universitätshauptgebäude mit seinen kaiserzeitlichen Fresken und Skulpturen eine besondere Atmosphäre erzeugte und der Empfang im imposanten Rathaus der DH-Community einen außergewöhnlichen Rahmen bot. Darüber hinaus ist die DH-Forschung in Wien besonders breit aufgestellt, mit vielfältigen Projekten an der Universität und dem Austrian Centre for Digital Humanities and Cultural Heritage (ACDH) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wo sonst wäre das Thema der diesjährigen DHd-Tagung besser aufgehoben gewesen?

Auch drei Projekte aus Münster bzw. mit Münsteraner Beteiligung brachten sich in Form von Posterpräsentationen in diesen Austausch ein:

Das DFG-geförderte Projekt Global Bible (GloBil)  widmet sich weltweiten Bibelübersetzungen, die besonders in kolonialen Kontexten entstanden: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war ein Teil der Bibel bereits in rund 1.000 Sprachen übersetzt, darunter in viele zuvor schriftlose Sprachen. Ein Großteil des heutigen Wissens darüber geht auf die oft jahrzehntelange Arbeit indigener Übersetzer:innen und missionarischer Sprachforscher:innen zurück. Die Frage, wer welche Übersetzungen für wen und unter welchen Bedingungen erstellte, erlaubt Einblicke in damalige Machtverhältnisse und Netzwerke. Das Projekt hat dafür die Archive deutscher und britischer Bibelgesellschaften untersucht und beleuchtet die Geschichte der globalen Bibelbewegung in Regionen wie der Arktis, Ozeanien, Australien und Westafrika. GloBil ist ein Kooperationsprojekt von Hilary Carey (Universität Bristol) und Felicity Jensz (Universität Münster) und wird für die digitale Datenmodellierung vom SCDH der ULB Münster unterstützt. Es wurde in Wien von Benjamin Weber und Ingo Frank vorgestellt (beide SCDH) und bis zum 1. März 2026 im Bibelmuseum Münster im Rahmen der Sonderausstellung „Global Bible: Vermächtnisse von (post)kolonialen Bibelübersetzungen in der Arktis, Ozeanien und Westafrika” präsentiert.

Beitrag des Projekts „Global Bible (GloBil)“ für die Posterpräsention in Wien. Die Originaldatei ist zu finden unter 10.5281/zenodo.18702960 (CC-BY 4.0)

Mapping DH ist eine überregionale Initiative zur Dokumentation der institutionellen Geschichte der Digital Humanities: Eine Wikibase-Instanz stellt eine zentrale Anlaufstelle für Informationen zu Institutionen, Veranstaltungen, Publikationen und Personen der DH im Semantic Web bereit. Das Projekt wurde vorgestellt von Ingo Frank (SCDH), Jan Horstmann (Universität Hamburg), Christof Schöch (Universität Trier) und Diego Siqueira (Universität Bochum).

Beitrag des Projekts „Mapping DH“ für die Posterpräsention in Wien. Die Originaldatei ist zu finden unter https://doi.org/10.5281/zenodo.18702946 (CC-BY 4.0)

Der aktuell zur DHd-Tagung erschienene Open-Access-Sammelband From Global to Local? Digitale Methoden in den Geisteswissenschaften im deutschsprachigen Raum: Ein Triptychon beleuchtet die Nutzung digitaler Methoden in den Geisteswissenschaften im deutschsprachigen Raum. Der von Ulrike Wuttke (FH Potsdam), Christopher Nunn (Universität Heidelberg), Christian Schröter (Staatl. Akademie der Bildenden Künste Stuttgart), Melanie Seltmann (HU Berlin) und Christian Wachter (SCDH) herausgegebene Band lädt dazu ein, die Geschichte und Zukunft solcher Methoden zu reflektieren. Er verbindet Standortbestimmung, aktuelle Experimente sowie Zukunftsperspektiven und gliedert sich in drei Teilbände: „Be-Forschen“ (diskursive Aufsätze), „In eigenen Worten“ (Audio-Essays) und „Artefaktbiographien“ (Porträts digitaler Objekte).
Als Posterpräsentation stand der mittlere der drei Teilbände im Fokus, der frei hörbare Podcastfolgen, Transkripten und Shownotes miteinander verbindet.

Beitrag zum Teilband „In eigenen Worten“ des Sammelbands „From Global to Local?“ für die Posterpräsention in Wien. Die Originaldatei ist zu finden unter https://doi.org/10.5281/zenodo.18703018 (CC-BY 4.0)

Die Wiener DHd-Tagung bot eine äußerst anregende Austauschplattform für DH-Forschungen auch jenseits von Text und Daten. Das offizielle Book of Abstracts erlaubt eine Nachlese – nicht nur zu den oben portraitierten Projekten. Übrigens steht der Tagungsort für das nächste Jahr bereits fest: Die DHd 2027 wird an der Universität Marburg stattfinden. Weitere Informationen zum Thema und zum Call for Papers werden im Lauf der nächsten Monate veröffentlicht, worüber insbesondere der DHdBlog informiert.

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